Paid4: Definition, Beispiele und Nutzen

14.04.2015

Wer mit (s)einer Werbseite Geld verdienen will, kommt schnell zu einer einfachen Erkenntnis: Je mehr Besucher, desto höher auch der Verdienst.

Wer sich dann auf die Suche nach mehr Besuchern macht, kommt schnell zu einem äußerst umstrittenen Bereich des Online-Marketings, der als Paid4 bezeichnet wird. Doch was ist das, wie läuft es ab und wer profitiert davon?

Diese und weitere Fragen möchten wir mit diesem Beitrag klären. Beginnen wollen wir mit der einfachen Frage:

Was ist Paid4 eigentlich?

Paid4 kann mit „bezahlt für“ übersetzt werden und wird wie folgt definiert:

Ein Besucher oder User wird für eine gewisse Aktion (z.B. Click, Lead, Sale) incentiviert.

Man spricht also immer dann von Paid4, wenn das Verhalten eines Users durch das in Aussicht stellen eines Vorteils (meist in Form kleinerer Geldbeträge) gesteuert wird.

Soweit die Theorie. Doch wie sieht Paid4 in der Praxis aus?

Da Paid4 nur ein genereller Überbegriff ist, sind in der Praxis sehr verschiedene Formen zu beobachten. Zu den klassischen Paid4-Modellen zählen Forced Klicks, Paidmails und Besuchertausch, auf die wir später noch genauer eingehen.

Besonders einfach lässt sich Paid4 mit einem Beispiel veranschaulichen: Man suche dazu bei eBay nach Besuchern für die eigene Internetseite. Ergebnis wird dabei ein ähnliches Bild sein wie dieses:

Paid4-Angebote bei eBay

Paid4-Angebote bei eBay

Doch wer sich nun freut für wenig Geld viele, echte Besucher auf die Webseite zu bekommen (auch als Traffic bezeichnet), der irrt leider. Denn nahezu hinter jedem der hier erscheinenden Angebote steht Paid4. Im nächsten Punkt erklären wir wie solcher Traffic genau zu Stande kommt.

Wie läuft Paid4 genau ab?

Für Paid4 werden drei Parteien benötigt:

  1. Der User, der mit Paid4 Geld verdienen möchte
  2. Das Paid4-Netzwerk, das die Plattform bietet
  3. Der Werbetreibende, der für Paid4 Geld ausgibt

Parteien bei Paid4Der User meldet sich beim Paid4-Netzwerk (kostenfrei) an und bekommt einen persönlichen User-Account. Nun kann der User verschiedene Aktionen durchführen und wird dafür unterschiedlich bezahlt (Beispiele folgen weiter unten). Das erwirtschaftete Geld wird im User-Account solange gesammelt, bis die Auszahlungsgrenze erreicht ist.

Das Paid4-Netzwerk bietet die Plattform, stellt die Aktionen zur Verfügung, die vorher vom Advertiser gekauft wurden und wickelt diese technisch ab. Vom eingenommenen Geld gibt das Paid4-Netzwerk einen gewissen Prozentsatz an seine User weiter und zahlt diesen letztlich auch aus, sofern die Auszahlungsgrenze erreicht wird.

Beispiele für Paid4

Wir zeigen nun einige Beispiele für Paid4-Angebote.

Forced Klick
Hier wird der User für das Klicken eines Banners oder Textlinks bezahlt. Pro Klick erhält der User dafür einen sehr geringen Geldbetrag (s. nachfolgendes Beispiel) und erzeugt durch seinen Klick einen Aufruf einer Webseite eines Advertisers.

Beispiele für ForcedBanner

Beispiele für ForcedBanner

Im gezeigten Beispiel gibt es für den Klick auf den ersten Banner 14 Credits. Dies entspricht einem Eurobetrag von rund 0,00084 €. Um letztlich 1 Euro zu verdienen, müsste der User hier ca. 1.200 Klicks generieren.

Wie der Name bereits verrät, handelt es sich hierbei um „forced“, also erzwungene Klicks. Da es dem User ausschließlich um’s Geld verdienen geht, steht hinter dem hierbei erzeugten Traffic keinerlei Qualität.

Oft werden derartige Klicks – wie auch im obigen Beispiel zu sehen – erst nach gewisser Aufenthaltsdauer gewertet. Dem Advertiser wird dies dann als „Besucher für Webseite mit Mindestaufenthalt“ verkauft.

Besuchertausch
Auch sog. Besuchertausch-Portale werden zur Erzeugung von Paid4-Traffic generiert. Das Prinzip ist hier einfach und lautet grob „Schaust du dir 10 Seiten an, dann schauen andere Personen deine Seite 9 mal an„. Der Überschuss wird dann für kleines Geld verkauft und über sog. Surfbars abgebaut. Eine der größten Anbieter in diesem Bereich ist eBesucher.de

Paidmailer
Ein echter Klassiker im Bereich Paid4 sind die sog. Paidmailer. Hierbei handelt es sich um Anbieter, die Emails verschicken und den Empfänger für den Erhalt der Email einen Centbetrag bezahlen. Eine beispielhafte Paidmail kann wie folgt aussehen:

Beispiel einer Paid4 Mail

Beispiel einer Paid4 Mail

Der Empfänger der Email erhält in diesem Fall einen Cent (s. letzte Zeile der Email) auf seinen User-Account gutgeschrieben, sobald er den Bestätigungslink klickt. Der Werbetreibende, der diese Email beim Anbieter (in diesem Beispiel Earnstar) in Auftrag gegeben hat, hat dafür einen etwas höheren Betrag bezahlt. Die Differenz ist der Gewinn des Anbieters.

Da der User nur daran interessiert ist, durch das Klicken des Bestätigungslinks Credits oder Geld zu bekommen, ist der Paidmail-Traffic dementsprechend von besonders schlechter Qualität.

Wie viel kostet Paid4?

Paid4 gibt es schon seit sehr vielen Jahren. Da stellt sich die Frage, warum. Und die ist eigentlich ganz einfach zu beantworten. Paid4 ist so billig, dass es sich jeder leisten kann und ausprobiert. Bis man merkt, dass diese Art von „Werbung“ keinerlei Effekt oder Nutzen bringt, dauert es leider oft viel zu lange.

Im folgenden zeigen wir ein Beispiel, was Paid4 Traffic kosten kann. Hier haben wir uns testweise zu einem Paket von 50.000 Klicks zu nur 4,50 € entschieden:

Paid4 Kostenbeispiel

Paid4 Kostenbeispiel

Und dabei ist dies nichtmal die billigste Kategorie. Es gibt noch Textlink-, Banner und Buttonviews, die nochmal um ein vielfaches billiger sind.

Wer profitiert von Paid4, wer nicht?

Hier kommen wir auf die drei Parteien zurück, die für Paid4 benötigt werden.

Klarer Profiteur ist immer der Anbieter / das Netzwerk! Denn hier bucht der (oft unwissende) Werbetreibende, in der Hoffnung für wenig Geld viele Besucher zu erhalten.

Das Netzwerk gibt einen Teil des eingenommen Geldes an die User weiter, die diesen Traffic nun abbauen. Hierbei handelt es sich – wie oben gezeigt – jedoch um Centbeträge. Reich wird also der User mit solchen Angeboten nicht werden.

Der Dumme ist letztlich immer der Werbetreibende, der Geld ausgibt doch dafür niemals echte Besucher bekommt, sondern lediglich seinen Besucher-Zähler künstlich in die Höhe treibt. Eine Interaktion (also zum Beispiel ein Kauf eines Produkts oder das Ausfüllen eines Formulars) wird durch Paid4-Traffic nie erreicht werden. Leider verführen die geringen Kosten immer wieder neue Personen zum Test solcher Maßnahmen.

Warum gibt es Paid4 dann überhaupt noch?

Der Grund, warum Paid4 leider nie verschwinden wird, ist der Wunsch vieler Webseiten-Besitzer für kleines Geld möglichst viele Besucher auf die eigene Internetseite zu bekommen. Wir können hier aus langjähriger Erfahrung jedem Webmaster sagen, dass der durch Paid4 generierte Traffic nicht mal die wenigen Euros wert ist, die er gekostet hat!

Ein weitere Zielgruppe für Paid4-Angebote sind betrügerische Seitenbetreiber. Sie kaufen den Schrott-Traffic ganz bewusst um damit für wenig Geld z.B. viele Banner-Aufrufe zu erzeugen, für die sie von einem Vermarkter dann mehr als das eingesetzte Geld bekommen. Auch hier können wir nur tunlichst abraten! Solche Machenschaften sind nicht nur verboten, sondern werden von so gut wie jedem Vermarkter erkannt und dann nicht selten zur Anzeige gebracht.

Auch User werden immer wieder mit dem Versprechen geködert, in kurzer Zeit viel Geld zu verdienen. Mit Stichworten wie „Geld verdienen im Internet“ oder „Geld von zu Hause aus verdienen“ werden zahlreiche User zu den diversen Paid4-Angeboten gelockt. Die wenigsten werden jedoch jemals eine Auszahlung erhalten, da ein extremer Aufwand nötig ist, um die Auszahlungsgrenze von wenigen Euros jemals zu erreichen.

Betrug im Paid4

Neben dem soeben beschriebenen Betrug auf Seiten des Werbetreibenen, gibt es auch auf Seiten des Users und des Paid4-Netzwerks leider sehr viel Betrug. Der User, der mit Paid4 Geld verdienen will, versucht alles um in kurzer Zeit möglichst viel Geld zu verdienen. Oft leider nicht nur mit legalen Mitteln. Klick-Bots, 1×1-Traffic oder viele hundert Email-Adressen sind nur drei von vielen Betrugsmethoden.

Aber auch viele Betrieber von Paid4-Netzwerken tun alles dafür, dass die verkauften Traffic-Kontingente möglichst schnell abgebaut werden. Auch hier wird leider immer wieder von Betrug (am Werbekunden) berichtet.

Paid4 im Affiliate Marketing

Paid4 wird von vielen Webmastern leider auch im Affiliate Marketing verwendet. Hier kauft sich der Affiliate Traffic bei den angesprochen Paid4-Netzwerken und erhofft sich damit Erfolg im Partnerprogramm. Dabei gibt es Affiliates, die aus Unwissenheit diesen Traffic kaufen, weil er so billig ist und sie dementsprechend (vergeblich) hoffen, dass doch einer dieser vielen gekauften Klicks zu einem Kauf führen muss. Oder es gibt andere Affiliates, die Paid4 Traffic ganz gezielt betrügerisch einsetzen um Partnerprogramm-Cookies mit möglichst hoher Reichweite zu streuen.

Aus diesem Grund ist Paid4-Traffic auch bei den meisten Partnerprogrammen untersagt.

Paid4 – Unser Fazit:

Bei Paid4 handelt es sich um eine rein künstliche Reichweitenerhöhung, die keinerlei Mehrwert für den Werbetreibenen/Advertiser bietet. Die schlechte Qualität des Traffics, sowie die vielen, betrügerischen Methoden des Trafficabbaus sind weitere Gründe, weshalb man als Advertiser solche Angebot tunlichst meiden sollte! Als Advertiser kann man zwar sehr billig Traffic einkaufen, hat davon aber rein gar nichts. Wir kennen keinen Usecase, wo sich Paid4 als Conversion-tauglich ausweisen konnte.

Auch als User (also als Person, die mit Paid4 Geld verdienen möchte), ist Paid4 nur eingeschränkt zu empfehlen. Oft ist enormer Zeitaufwand nötig, um die Auszahlungsgrenze des Anbieters zu erreichen. Der letztliche Stundenlohn liegt dabei dann oft weit unter jedem Mindestlohn, meist im Cent-Bereich. Ganz abgesehen von einem Postfach, dass von SPAM und Werbe-Emails nur so überquillen wird.

Auf den Punkt gebracht: Finger weg von jeglichen Paid4-Angeboten!

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5 Kommentare für “Paid4: Definition, Beispiele und Nutzen”

  1. Mario

    Starker Artikel, endlich wird mal klar geschrieben, was da eigentlich passiert: Abzocke am arglosen Werbetreibenden.
    Eventuell sollte man noch erwähnen, das der sogenannte Traffic bzw. die Seiten der Traffic-Käufer oft in Bannern/Frames erscheint – also keine wirklichen Besucher sind.
    Mal von der extrem kurzen Aufenthaltsdauer und der massiv hohen Absprungrate abgesehen, die beides fürs Google-Ranking von Bedeutung sind.

    Antworten
  2. Michael

    @Cash4Webmaster:

    Hierzu gehören aber nicht die Werbeanbieter wie Adiro, Sponsorads, Binlayer usw., oder?
    Denn dort wird man ja auch vergütet und Advertiser versuchen, Besucher zu bekommen…

    LG
    Michael

    Antworten
    1. Niko Artikelautor

      Hallo Michael, nein, die von Dir genannten Anbieter sind Werbenetzwerke und kein Paid4-Anbieter.

  3. Helmut Hofmann

    Wann wird man endlich wieder zu Anstand & Sitte zurückkehren?
    Jeder will/muß irgendwie Geld verdienen.
    Aber warum immer öffter auf diesen linken Touren.
    Demgegenüber ist diese Aufklärungsarbeit längst überfällig.
    Danke!
    Last uns wieder eine bessere Welt entstehen! LG Helmut.

    Antworten

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